Revision der Offset-Prozessnorm ISO 12647-2

Die internationale Norm ISO 12647-2 (Graphic technologie – Process control for the production of half-tone colour separations, proof and production prints – Part 2: Offset lithographic processes) stammt ursprünglich aus dem Jahr 1996. Sie wurde im Jahr 2004 grundlegend überarbeitet, weitere kleine Änderungen folgten 2007 (Amendment 1). Die erneute umfassende Revision der Norm dauerte mehrere Jahre; die endgültige Fassung wurde im Dezember 2013 veröffentlicht.

Die praktische Umsetzung der revidierten Norm wird allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Zum gegenwärtigen Stand lesen Sie bitte die Aktualisierung weiter unten auf dieser Seite.

Filmlose Druckplattenherstellung und Tonwertzunahme im Druck

In den bisherigen Fassungen ging ISO 12647-2 von konventionell hergestellten, also nach Positiv- oder Negativfilmen kopierten Platten aus. Filmlose Plattenherstellung (Computer-to-Plate) wurde gewissermaßen als Sonderfall behandelt, der an die Vorgaben für die konventionelle Technik angepasst wurde. In der Neufassung vom Dezember 2013 sind dagegen filmlos hergestellte Platten der Normalfall.

Konsequenzen daraus ergeben sich vor allem für die Soll-Werte der Tonwertzunahme im Druck. Bei konventionellen Platten gilt: Tonwertzunahme ist gleich Tonwert im Druck minus Tonwert auf dem Film. Hinter einer Tonwertzunahme von zum Beispiel 13 % verbergen sich bei Verwendung von Positivplatten etwa 2 % Tonwertabnahme bei der Plattenkopie und etwa 15 % Tonwertzunahme im Druck.

Bei filmlos hergestellten Platten wird die Tonwertzunahme als Differenz zwischen Tonwert im Druck und Tonwert in den Daten angegeben, wobei normalerweise vorausgesetzt wird, dass die Tonwerte auf der Druckplatte mit denen der Daten übereinstimmen. In der aktuellen Fassung von ISO 12647-2 sind die Soll-Werte der Tonwertzunahme auf dieser Grundlage neu festgelegt, wobei erstmals auch Soll-Werte für den Druck mit nichtperiodischen Rastern (FM-Rastern) angegeben sind.

Die Soll-Werte der Tonwertzunahme gelten jetzt einheitlich für alle vier Prozessdruckfarben; nach den bisherigen Fassung von ISO 12647-2 konnten die Werte für Schwarz um bis zu 3 % über den entsprechenden Werten für Cyan, Magenta und Yellow liegen.

Bedruckstoffe und Soll-Farbwerte der Volltöne

In den bisherigen Fassungen der Norm gab es fünf Papiertypen (PT):

In der aktuellen Fassung sind dagegen acht Bedruckstoffe vorgesehen, die hier als Print Substrates (PS) bezeichnet werden:

Die Farbe des Papierweiß wird für jeden Substrattyp, ebenso wie für die bisherigen Papiertypen, durch CIELAB-Farbwerte(L*, a*, b*) beschrieben.

Je nach Papier- bzw. Substrattyp ergeben sich unterschiedliche Soll-Farbwerte für die Volltöne der Prozessdruckfarben Cyan, Magenta, Yellow und Schwarz. Sie werden in der aktuellen Fassung der Norm – ebenso wie in der bisherigen – als CIELAB-Farbwerte angegeben.

ProzessStandard Offsetdruck und MedienStandard Druck

Die vom Bundesverband Druck und Medien e.V. (bvdm) herausgegebenen Regelwerke ProzessStandard Offsetdruck (PSO) und MedienStandard Druck (MSD) orientieren sich zwar im Wesentlichen an der jeweils gültigen Fassung der Norm ISO 12647-2. PSO in der Fassung von 2012 und MSD in der Fassung von 2010 enthalten aber bereits zusätzliche Papiertypen und haben damit die jetzt erfolgte Revision der Norm teilweise vorweggenommen.

Das etwas unübersichtliche Nebeneinander von Papiertypen nach ISO 12647-2 und zusätzlichen, nicht in der internationalen Norm enthaltenen Papiertypen nach PSO und MSD, wird also durch die revidierte Fassung der internationalen Norm beendet.

Aktualisierung (November 2015)

Nach einer längeren Entwicklungs- und Testphase stehen jetzt praxisreife ICC-Profile für die Print-Substrates PS1 (Premium Coated) und PS5 (Wood-free Uncoated) zur Verfügung. Sie wurden am 30. September 2015 im Rahmen einer Auftaktveranstaltung von Fogra, European Color Initiative (ECI) und Bundesverband Druck und Medien (bvdm) vorgestellt.

Die beiden neuen Profile PSO Coated v3 (PS1) und PSO Uncoated v3 (PS5) stehen in der Webpräsenz der ECI zum Download bereit. Zusätzlich gibt es zwei DeviceLink-Profile zur direkten Transformation von ISO Coated v2 (Papiertypen 1 und 2 nach alter Norm) nach PSO Coated v3 (PS1 nach revidierter Norm) und umgekehrt.

Wahrscheinlich stellen nicht alle Betriebe sofort oder kurzfristig auf die neuen Profile um. Es wird deshalb eine kürzere oder längere Übergangsphase geben, in der Profile nach revidierter Norm (PSO Coated v3, PSO Uncoated v3) und Profile nach alter Norm (ISO Coated v2, ISO Unoated v2) parallel verwendet werden.

Für die übrigen Print Substrates werden bis auf Weiteres die entsprechenden Profile nach ProzessStandard Offesetdruck (PSO) und MedienStandard Druck (MSD) benutzt, also PSO LWC Improved (PS2), PSO LWC Standard (PS3), PSO MFC Paper (PS4), SC Paper (PS6), PSO INP Paper (PS7) und PSO SNP Paper (PS8).

Wichtiger Hinweis für Mediengestalter(innen) der Fachrichtung Gestaltung und Technik, Schwerpunkt Print: In der Aufgabenstellung zur praktischen Prüfung, Prüfungsstück I, Teil b (Produktionsaufgabe) wird verbindlich vorgegeben, mit welchem Profil zu arbeiten ist. Verwendung eines anderen als des vorgegebenen Profils führt bei der Bewertung zu einem Punktabzug! Achten Sie also darauf, ob ein Profil nach alter Norm (in der Vergangenheit meist ISO Coated v2) oder nach revidierter Norm verlangt ist.

Aktualisierung

ProzessStandard Offetdruck (PSO) und Medienstandard Druck (MSD) liegen inzwischen in aktualisierten Fassungen vor.